Hilfe, mein Baby hat Verstopfung seit der Beikosteinführung!

Zuletzt aktualisiert: 16. November 2022

Verstopfung bei Babys – kein schönes Thema, aber auch darüber muss es einen Artikel geben, wie ich finde, denn das Thema betrifft sehr viele Eltern – du bist damit nicht allein. Und ich kann aus eigener Erfahrung berichten, wie hilflos man sich als Mutter fühlt, wenn das eigene Baby so sehr darunter leidet. Daher möchte ich versuchen, dir im Folgenden ein paar Tipps zu geben.

Verstopfung bei Babys durch die Beikosteinführung ist leider nämlich gar nicht so selten. Das ganze Verdauungssystem muss schließlich erst lernen, sich auf die festere Nahrung umzustellen und sie zu verdauen.

(Hinweis: Der Artikel wurde im November 2022 komplett überarbeitet.)

Wie erkenne ich, ob mein Baby überhaupt Verstopfung hat?

Macht dein Baby nicht jeden Tag die Windel voll, muss das nicht unbedingt ein Anzeichen von Verstopfung sein. An folgenden Richtwerten für die normale Häufigkeit von Stuhlgang kannst du dich in etwa orientieren*:

  • Voll gestillte Säuglinge: 8-12x pro Tag bis zu 1x in 2 Wochen
  • Säuglinge, die nur Flaschennahrung bekommen: 2-4x pro Tag
  • Kinder ab Beikostbeginn (6 Monate-3 Jahre): 2-4x pro Tag bis jeden 2. Tag
  • Kinder ab 3 Jahren: 3x pro Tag bis 3x pro Woche

Anzeichen einer akuten Verstopfung sind:

  • Stuhlabsetzen seltener als oben aufgeführt
  • Harter Stuhl, der oft klein und kugelförmig ist
  • Schmerzen beim Stuhlgang, dein Baby fühlt sich unwohl oder weint sogar
  • Bauchschmerzen
  • Regelmäßig unvollständige Darm-Entleerung. Hierunter versteht man, dass das Kind nur sehr wenig die Windel vollmacht, dafür aber vielfach.
  • Dein Baby ist gereizt, hat schlechte Laune, ist weinerlich oder fühlt sich sichtlich unwohl

Hält die Verstopfung länger als 4 Wochen an, spricht man nicht mehr von einer akuten, sondern von einer chronischen Verstopfung.

Was kann ich gegen akute Verstopfung bei meinem Baby tun?

Beikostreifezeichen noch einmal überprüfen

Bitte prüfe, wenn die Verstopfung unmittelbar nach der Beikosteinführung auftritt, unbedingt noch einmal, ob dein Baby alle Beikostreifezeichen erfüllt. Ein zu früher Beikostbeginn kann nämlich auch Verdauungsbeschwerden hervorrufen. Dann kann es hilfreich sein, noch einige Zeit mit der Beikost zu warten. Prüfe auch noch einmal, wie oft und wie viel Beikost dein Baby bereits bekommt, auch hier kannst du z.B. versuchen dies erst einmal wieder zu reduzieren und mehr Muttermilch oder Pre anzubieten. Hinweis: Bei Unsicherheiten hierbei kannst du eine individuelle Beikost- oder auch Stillberatung um Rat fragen.

Bei einer akuten, also kurzfristigen Verstopfung, gibt es zusätzlich einige „Hausmittel“ und Tipps, die für manche Babys hilfreich sind. Diese findest du im Folgende aufgelistet.

Gute und schlechte Lebensmittel bei Verstopfung

  • Auf „stopfende“ Lebensmittel in der Beikost verzichten: Bananen, Reis, geriebene, rohe Äpfel und oft auch Karotten führen leider häufig zur Verstopfung.
  • Stuhlgangfördernde Lebensmittel für die Beikost verwenden: Birnen, Pflaumen, Zwetschgen, Aprikosen, Brokkoli, Blumenkohl, Zucchini und Fenchel können helfen, den Stuhlgang bei Babys wieder in Schwung zu bringen. Gut geeignet ist etwa eine Nachspeise nach dem Mittagsbrei aus ein paar Löffeln Birnen-Pflaumenmus. Du kannst beispielsweise auch etwas Pflaumen- oder Birnensaft anstelle des häufig verwendeten Apfelsaftes für den Mittagsbrei verwenden oder einfach einen Schuss von dem Saft oder einen Löffel Pflaumenmus zusätzlich unter den Nachmittagsbrei rühren.
  • Gut geeignet ist auch eine eingeweichte Trockenpflaume (ungeschwefelt), die einfach mit dem Einweichwasser unter den Babybrei (z.B. Nachmittagsbrei) püriert wird.

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um Verstopfung bei Babys vorzubeugen

  • Achte darauf, dass der Brei, den dein Baby isst, nicht zu fest ist. Das ist häufig beim Nachmittags- oder Abendbrei der Fall, da die Getreideflocken stark aufquellen. Ist der Brei zu fest, kannst du einfach noch etwas Wasser unter den Brei rühren, um ihn flüssiger zu machen.
  • Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig: Versuche (wieder) häufiger Mutter- oder Pre-Milch anzubieten oder auch zu den Brei-Mahlzeiten etwas zusätzliches Wasser anzubieten. Die Säuglingsmilch sollte hingegen auf keinen Fall zusätzlich mit Wasser gestreckt werden. Weitere Tipps zum Thema „trinken“ findest du hier.

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eBook Babybrei Titelbild
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Extratipp: Fett und Ballaststoffe

  • Achte auf einen ausreichenden Fettgehalt beim Babybrei (1 EL Rapsöl für den Mittagsbrei und 1 TL Rapsöl für den Nachmittagsbrei) bzw. gib einfach noch ein paar Tropfen Rapsöl extra dazu – das kann helfen, dass der Stuhlgang besser abgesetzt werden kann.
  • Ballaststoffe sind hilfreich für eine gute Verdauung. Bei Babys solltest du aber keinesfalls zusätzlich Kleie oder ähnliches unter den Babybrei rühren, das würde die Verdauung zu sehr belasten. Ich empfehle besser auf die Vollkornvarianten zurückzugreifen, diese liefern auch ausreichend Ballaststoffe. Statt normalem Grieß für den Abendbrei besser Vollkorngrieß verwenden, statt „weißen“ Nudeln für den Mittagsbrei einfach mal Vollkornnudeln versuchen. Bitte achte aber auch hier auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, sonst haben die Ballaststoffe nämlich gerade die entgegengesetzte Wirkung und „stopfen“ zusätzlich, wenn sie nicht genügend Flüssigkeit zum Aufquellen bekommen.

Auf dem Wickeltisch: Bauchmassage und Radfahren helfen, die Verstopfung zu lösen

  • Eine Bauchmassage mit etwas Babyöl kann hilfreich sein, um die Verstopfung zu lösen und die Bauchschmerzen zu lindern. Zugleich wirkt sie schön entspannend. Die Massagerichtung sollte im Uhrzeigersinn sein (von euch aus gesehen) und kreisförmig verlaufen.
  • Radfahren auf der Wickelunterlage mit den Beinen eures Babys ist ebenfalls eine beliebte Methode, um den Darm in Schwung zu bringen.

Zäpfchen & Co gegen Verstopfung?

ACHTUNG: Wenn all diese „Hausmittel“ nicht helfen, bitte sprich unbedingt frühzeitig mit deinem Kinderarzt. Er kann dein Baby oder Kind mittels Ultraschall untersuchen und organische Ursachen ausschließen sowie dir weitere Tipps geben. Erfahrungsgemäß ist gerade das frühe Aufsuchen des Kinderarztes wichtiges, denn je länger die Verstopfung andauert und je länger dein Kind schmerzen beim Stuhlabsetzten hat, desto schwieriger wird die Situation für alle Beteiligen und es entsteht ein „Teufelskreis“.

Bitte Medikamente oder Ähnliches niemals auf eigene Faust und ohne ärztliche Absprache geben.

Bitte verzichte unbedingt auch auf Methoden zur sogenannten „rektalen Manipulation“, die leider oft noch in vielen Foren empfohlen wird. Also das „Nachhelfen“ mit einem Fieberthermometer, (Kümmel-)Zäpfchen, Klister oder Einläufe. Hier besteht akute Verletzungsgefahr und je nach Alter des Kindes kann ein Einlauf z.B. auch sehr traumatisierend sein. Nach den aktuellen „Behandlungs-Leitlinien für die funktionelle Obstipation und Stuhlinkontinenz im Kindes- und Jugendalter“ sind Stuhlweichmacher wie Macrogol das Mittel erster Wahl. Macrogol kann dein Kinderarzt dir als Rezept verschreiben. Es wirkt rein physikalisch und wird nicht verstoffwechselt, es verbleibt im Darm und macht den Stuhlgang im kompletten Darmbereich weich. So lösen sich auch eventuelle Kotsteine und höher liegende Verstopfungen. Bei einem Einlauf hingegen entleert sich immer nur der letzte Teil des Enddarm – höher liegende Verstopfungen werden damit nicht gelöst.

Was kann ich tun, wenn mein Baby oder Kleinkind unter einer chronischen Verstopfung leidet?

Von einer chronischen Verstopfung spricht man, wenn der Zeitraum länger als 4 Wochen beträgt. Etwa 14 % aller Kinder sind davon betroffen*.

Es gibt im Fall einer chronischen Verstopfung spezielle Fachärzte, die deinem Kind weiter helfen können, wie etwa Kinder-Gastroenterologinnen und -enterologen oder auch Kinder-Chirurginnen und Chirurgen. Bitte besprich das weiterer Vorgehen individuell mit deinem Kinderarzt.

Außerdem kann ich dir von Herzen die Selbsthilfegruppen von „Knopf im Bauch“ empfehlen. Auf der Webseite bekommst du viele Tipps und Infos zur chronischen Verstopfung. Und es gibt auch eine Facebook-Gruppe, in der du als Mama oder Papa individuelle Tipps bekommst oder dich mit anderen Betroffenen austauschen kannst.

Hast du noch weitere noch Tipps, die bei Verstopfung bei Babys hilft? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Quellen: *Die Zahlen stammen aus dem Webinar für Fachpersonal von „Knopf im Bauch“ im November 2022.

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Hey, ich bin Natalie! Schön, dass du da bist!

Ich bin selbst Mama eines Sohnes und schreibe hier auf Babybrei-selber-machen.de seit über 8 Jahren über die Themen Babybrei und Beikost. Im Laufe der Zeit haben sich die Inhalte gemeinsam mit meinem Sohn weiter entwickelt. So findest du heute hier auch Ideen für gesunde Snacks & Fingerfood sowie Rezepte für den Familientisch. Ich freue mich, dich während dieser spannenden Zeit der Beikost bis hin zum Familientisch zu begleiten. Hierbei helfen mir meine Weiterbildungen zur Fachkraft für babygeleitete Beikost und wählersiches Essverhalten.

Als ausgebildete Ernährungsberaterin ist es mir zusätzlich eine Herzensangelegenheit, dir nicht nur Rezepte, sondern auch Wissen zum Thema gesunde Ernährung mitzugeben.

Bei Fragen kannst du dich gerne an kontakt@babybrei-selber-machen.de wenden. Bitte beachte jedoch, dass eine persönliche und individuelle Beratung per E-Mail nicht möglich ist.

Natalie Wiese

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Kommentare

11 Kommentare

11 Kommentare

  1. Distelöl hilft auch bei Verstopfung, regt den Verdauungstrakt an. Bei Babys, wie auch bei Großen?

    Antworten
    • Danke für den Hinweis!

      Antworten
    • selbst gekochter Kümmeltee hilft Wunder. Bekommt mein Zwerg zwischendurch und auch die Milch mache ich damit, seitdem sind Verstopfung und Koliken Geschichte

      Antworten
      • Hallo Jana,
        Wie machst du den Kümmeltee wenn ich fragen darf?
        Danke im voraus :)

        Antworten
        • Hallo Bianca, Kümmeltee kannst du bereits in Beuteln im Laden kaufen, z.B. auch im Babyregal.
          Liebe Grüße Natalie

          Antworten
    • 1 EL Rapsöl im Mittagsbrei? Echt jetzt? Ist das nicht zu viel? Meine kleine ist 7 M und isst etwa 100 g Mittags und ich mache nicht mal 1/2 TL Rapsöl rein. Nun bin ich verwirrt, vielleicht hat sie deswegen harten Stuhlgang, kriegt nun seit etwa 6 Wo. Beikost.
      Vielen Dank im voraus….und übrigens tolle Seite ? sehr sehr hilfreich, bei jeder Frage die mir in den Sinn kommt gehe ich sofort auf deine Seite und werde immer fündig.

      Antworten
      • Hallo Katerina,

        ja 1 EL auf die komplette Portion des Grundrezeptes. Dies entspricht der offiziellen Empfehlung von z.B. der DGE und dem BZfE. Säuglinge in diesem Alter haben einen erhöhten Fettbedarf mit bis zu 45 % der Energiezufuhr (vgl. DGE) und auch Muttermilch ist ja sehr fettreich.

        Viele Grüße
        Natalie

        Antworten
  2. Kalter purer O-Saft oder Apfelsaft (nicht aus Konzentrat) helfen bei uns. Aber Vorsicht, denn bei Zuviel davon kann man Durchfall bekommen.

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  3. Hallo, könnte man bei Verstopfung auch die Hirseflocken im Mittagsbrei weglassen und auch ggf Die Kartoffel reduzieren, damit das Baby mehr Gemüse zu sich nimmt? Wie fertigst du das Obstmus nach dem Mittagsbrei an? Einfach zbsp eine Pflaume dünsten und dann pürieren? Vielen Dank vorab!

    Antworten
    • Hallo Juliana, Hirse hat eigentlich einen positiven, stuhlauflockernden Effekt. Die Kartoffel würde ich nicht empfehlen wegzulassen, da sie wichtige Energie und auch Nährstoffe liefert, nur Gemüse alleine wäre zu wenig.
      Genau Obstmus kannst du einfach Obst dünsten und pürieren, schau mal hier für Apfelmus, Apfel-Heidelbeermus und Apfel-Nektarinenmus. Viele Grüße Natalie

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  4. Danke für die tolle Seite! Habe so viel gelesen und nach Tipps gesucht, weil unsere Tochter schlimme Verstopfung hatte. Disteöl war die Lösung. :-)
    Die anderen Artikel sind auch super hilfreich und sehr gut lesbar geschrieben. Danke!

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